Was ist ein Wertgutachten (Appraisal), und was passiert, wenn es niedriger ausfällt als der Kaufpreis?
Wer ein Haus finanziert, kommt am Wertgutachten nicht vorbei: Der Kreditgeber lässt den Marktwert der Immobilie von einem unabhängigen Gutachter bestimmen, weil das Haus die Sicherheit für das Darlehen ist. Fällt der ermittelte Wert niedriger aus als der vereinbarte Kaufpreis, gerät die Finanzierung ins Wanken.
Wie der Wert ermittelt wird
Der Gutachter besichtigt das Haus und vergleicht es vor allem mit kürzlich verkauften, ähnlichen Immobilien in der Umgebung. Zustand, Größe, Ausstattung und Lage fließen in die Bewertung ein. Das Gutachten ist nicht mit der Hausinspektion zu verwechseln, die nach Mängeln sucht.
Wenn das Gutachten zu niedrig ausfällt
• Nachverhandeln: Der Verkäufer senkt den Preis auf den Gutachtenwert oder kommt dem Käufer teilweise entgegen
• Differenz selbst tragen: Der Käufer gleicht den Unterschied mit zusätzlichem Eigenkapital aus
• Überprüfung beantragen: Bei nachweisbaren Fehlern oder besser passenden Vergleichsobjekten kann eine Neubewertung angestoßen werden
• Rücktritt: Enthält der Vertrag eine entsprechende Klausel, kann der Käufer ohne Verlust der Anzahlung zurücktreten
Praktischer Rat
Vor Abgabe des Angebots sollte man klären, ob und wie der Vertrag den Fall eines niedrigen Gutachtens regelt. In stark umkämpften Märkten verzichten Käufer manchmal auf diesen Schutz – das kann im Ernstfall teuer werden.